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HTC, WTF?!
Das langerwartete Android 2.3 Update für das HTC Desire ist endlich da. Aber irgendwie auch nicht, denn HTC hat im großen Stil abgekackt. Aber der Reihe nach.
Im Juni kündigte HTC an, es werde kein Android-Update für das HTC Desire geben. Als primärer Grund wurde der zu klein dimensionierte Telefonspeicher angeführt. Mit 576MB fällt dieser tatsächlich nicht allzu üppig aus. Poweruser verbringen daher sehr viel Zeit damit, Apps vom Telefonspeicher auf die SD-Karte zu verschieben, den Cache zu leeren und sich schweren Herzens von Apps zu trennen, um Platz für andere Apps zu schaffen. Ich unterstelle mal, dass für 90% aller HTC Desire – Besitzer, die mehr mit einem Smartphone machen als nur zu telefonieren und Mails zu lesen, diese “Fehlkonstruktion” ein Ärgernis darstellt.

HTC Desire
Auf Facebook und Twitter brach ein wahrer Shitstorm aus. Der änderte nichts an den technischen Fakten, aber setzte offenbar die Schlipsträger unter Druck. Schnell war ein Kompromiss gefunden, es würde nun doch ein Update geben. Auf Grund des unterdimensionierten Telefonspeichers müsste man aber auf Teile des Systems verzichten, z.B. die HTC-eigene Oberflächenerweiterung HTC Sense oder mitgelieferte Apps. Die Nutzergemeinde war erstmal wieder ruhig, die Schlipsträger auch – die Entwickler wahrscheinlich nicht.
Gestern kam nun mit einem Tag Verspätung das Update raus, aber eben nicht so richtig. Das Update lässt sich nicht wie gewohnt OTA (Over-The-Air) aus dem Setup-Menü installieren, sondern nur mit einem Windows-Programm “patchen”. Dabei verliert der Kunde nicht nur alle seine Daten, sondern auch den Garantieanspruch. Vielleicht wird das Handy damit sogar unbenutzbar, weshalb HTC dieses Update auch nur Experten empfiehlt. Ansonsten lesen sich die Release Notes wie die Packungsbeilage eines Medikamentes, bei dem allein das Studieren der Nebenwirkungen zu einer spontanen Wunderheilung führen. WTF?
Man kann sich vorstellen, dass die selben Leute, die im Juni ausgerastet sind, dies wieder tun werden, denn HTC hat ein Update “geliefert”, dass absolut nutzlos ist und auf Grund der Einschränkungen und der strikten “At your own risk, don’t blame us”-Policy bestimmt nicht allzu oft installiert werden dürfte. HTC hat viel versprochen, die Erwartungen waren hoch, entsprechend tief ist der Fall.
Ich unterstelle mal, dass Folgendes passiert ist: Die Entwickler haben festgestellt, dass die Hardware des HTC Desire nicht für ein solches Update geeignet ist. Die Erklärung mit dem Telefonspeicher ist mehr als plausibel. Die Entwickler haben das kommuniziert, die User sind ausgerastet, das Marketing nervös geworden. Es gab Gespräche, faule Kompromisse und am Ende Versprechen, die man eigentlich nicht halten konnte. Die Entwickler haben was gebaut, von dem sie von Anfang an wussten, dass es nix wird – das erhöht die Motivation ungemein. Am Ende hat man Zeit gespart und Geld und Kunden verloren.
Im Nachhinein wäre es besser gewesen, den Stecker viel früher zu ziehen und bei seiner ursprünglichen Aussage zu bleiben. HTC hat nicht im Juni, sondern vor über einem Jahr abgekackt, als man ein Telefon mit viel zu wenig Telefonspeicher rausgebracht hat, das lässt sich nicht ungeschehen machen. Wäre HTC im Juni bei der Entscheidung geblieben, hätten sich die Gemüter längst wieder beruhigt. So geht das Ganze wieder von Vorne los.
Google Street View vs. German Sommerloch
Ein Gespenst geht um in Deutschland – das Gespenst vom Internetz-Dingens mit diesen Kamera-Spionage-Autos von der Datenkrake aus den USA.
Chile Haus in Hamburg (gepixelt)
Offenbar haben Datenschützer, Politiker, eingeschüchterte Leser der Boulevard-Presse und Internet-Ausdrucker in diesem Sommerloch nichts Besseres zu tun, als sich über die führende Datenkrake aus Kalifornien aufzuregen. Dabei geht es nicht nur darum, Google davon abzuhalten, die eigene Fassade und den weißen Gartenzaun zu fotografieren. In einem Abwasch soll es offenbar auch dem Urheberrecht an den Kragen gehen, denn die seit 1907 geltende Panoramafreiheit steht den Empfindlichkeiten oben genannter Gattungen beim Kampf gegen Google im Wege.
Nur mal so zur Info und im Klartext: Die Panoramafreiheit erlaubt es seit über 100 Jahren jedem Deppen, mein Haus von einer öffentlich zugänglichen Straße oder einem öffentlich zugänglichen Platz zu fotografieren. Solange meine Persönlichkeitsrechte gewahrt bleiben, d.h. der Depp braucht meine Zustimmung, wenn er mich oder mein Wohnzimmer fotografieren möchte.
Was Google da vorhat ist also vollkommen legal. Und nicht nur das, es ist dabei auch noch ziemlich cool und vor ein paar Jahren noch undenkbar gewesen. Mit Google Street View kann ich am anderen Ende der Welt virtuell durch die Straße spazieren. Das kann mir bei der Auswahl eines Hotels in New York (Dichte der brennenden Mülltonnen vor dem Hotel) ebenso helfen wie bei der Wohnungssuche im entfernten München (Dorfdisko oder Feuerwache nebenan). Bis Ende des Jahres soll dies auch in den 20 größten Städten Deutschlands möglich sein.
Dass hingegen Einbrechern damit ein Werkzeug zur Verfügung steht, um meine Bude auszuräumen, ist ziemlich unwahrscheinlich. Die Bilder sind einige Jahre alt, verraten nichts über das Inventar meiner Wohnung und schon gar nichts darüber, ob zwei Pitbulls hinter der Terrassentür warten.
Traurig genug, dass Google sich genötigt sieht, Anzeigen zu schalten und verängstigten Bürgern eine Opt-Out-Möglichkeit zu bieten. Vielleicht sollte man sich weniger Sorgen um die Bilder seines Gartenzauns im Internet machen als darum, dass man einfach irgendwann den Anschluss an das digitale Zeitalter verliert und letzten Endes Innovationen in Deutschland verhindert. Vielleicht war es vor 10 Jahren noch cool, keine Ahnung vom Internet zu haben. Heute, im Jahre 2010, ist das Internet aber längst ein fester Bestandteil der Gesellschaft und ein Wirtschaftsfaktor geworden. Wer das nicht begreift, hat in der Politik nichts mehr zu suchen.
Links: 5 Fragen zu Google und Street View – Google startet Street View in Deutschland – Ein Grund zur Freude (taz) – Google Street View: Feindbild Realität (Focus)
