Archiv für Kategorie Allgemein

Das Internet-Manifest.

Da genieße ich das schöne Wetter in Dänemark, um abends ein wenig zu bloggen, und ausgerechnet der DJV schnappt mir meinen Aufmacher weg.

Egal: Gestern veröffentlichten 15 zumindest mir überwiegend bekannte Journalisten und Blogger das Internet-Manifest. Eine Sammlung von 17 Thesen, die Thomas Knüwer als Feedback auf ein Posting im Juli, in dem er die Gründe für seinen Austritt aus dem DJV darlegte, bekam. Ihm ist auf Grund kurz zuvor veröffentlichter unsäglicher Pamphlete der deutschen Verlagslobby und des DJV so richtig der Arsch geplatzt, was sich sehr gut nachvollziehen lässt.

Doch was da so hochtrabend und unpassend als Manifest angekündigt wird, bleibt hinter den Erwartungen weit zurück. Es wurden 17 Punkte aufgelistet, die aus meiner Sicht überwiegend den Tatsachen entsprechen, doch Neues gibt es hier nicht zu lesen. Vielmehr ein Medley aus mindestens 10 Jahren Diskussionen rund um das Thema Internet und Medien.

Trotzdem bin ich mir sicher, gerade in Hinblick auf die aktuelle Diskussion um das Leistungsschutzrecht und Paid Content, dass es Sinn macht, Statements zu sammeln und zu bündeln, um Unterstützer mobilisieren zu können. So kann man den Erklärungen der Verlagslobby etwas entgegensetzen.

In meinen Augen stellt das Dokument aber eher eine Aufforderung zum Dialog als ein Manifest dar. Denn an konkreten Forderungen oder Lösungsansätzen fehlt es bisher. Alles ist sehr allgemeingültig verfasst, ohne zu sehr ins Detail zu gehen. Daher holen die Initiatoren auch nur die Menschen ab, die ohnehin schon die selbe Meinung vertreten haben.

Um Überzeugungsarbeit zu leisten, reicht es nicht. Aber man wird sehen, in welche Richtung sich das “Manifest” weiterentwickelt. Zumindest werden die Thesen jetzt in einem größeren Kreis diskutiert, was definitiv einen kleinen Teilerfolg darstellt.

Stimmen: taz – Bitte redet über Geld – Meedia – Web verreißt das Internet-Manifest – kaliban* – Als hätten wir nicht genug Manifeste

, , , , ,

Keine Kommentare

RSS lebt!

Wenn RSS wirklich so tot wäre, wie derzeit von vielen Seiten behauptet wird, dann müsste mein MacBook nach Verwesung stinken. Maden müssten mir beim Öffnen des Deckels betriebsam entgegen wabern, während sie den stinkigen Kadaver auf der Festplatte verspeisen. Mein Rechner ist voll mit RSS!

Kann natürlich auch sein, dass ich im Moment entschieden zu viele Romane von Simon Beckett lese und Äpfel mit Birnen vergleiche. Damit bin ich dann aber in guter Gesellschaft.

Steve Gillmor hat bereits Anfang Mai RSS für tot und Twitter zum Nachfolger von RSS erklärt.

It’s time to get completely off RSS and switch to Twitter. RSS just doesn’t cut it anymore. The River of News has become the East River of news, which means it’s not worth swimming in if you get my drift. [...] I haven’t been in Google Reader for months. Google Reader is the dominant RSS reader.[...] All my RSS feeds are in Google Reader. I don’t go there any more. Since all my feeds are in Google Reader and I don’t go there, I don’t use RSS anymore.

Ich unterstelle mal, dass Steve Gillmor wissen müsste, dass der Google Reader kein Synonym für RSS ist, auch wenn er in diesem Kontext stark das Gegenteil vermuten lässt.

Doch RSS und Twitter sind zwei komplett unterschiedliche Dinge, die sich nicht gegenseitig ausschließen:

RSS IconDas RSS-Format (Really Simple Syndication) dient – wie der Name schon sagt – der Syndikation von Content. Anfangs wurde es fast ausschließlich von Weblogs unterstützt, doch mittlerweile bieten alle relevanten Newssites ihre Nachrichten, oder Auszüge daraus, im RSS-Format an. Dies ermöglicht die einfache Indizierung und Aggregation von Inhalten und macht damit weitaus komplexere Anwendungen wie Web Crawler überflüssig.

Schon vor Jahren hatten Weblogs den Newssites etwas voraus, den so genannten Ping. Denn Weblogs haben nicht nur RSS-Feeds um neue Postings ergänzt, sondern gleichzeitig auch Dienste wie Weblogs.com angepingt und pro-aktiv über Aktualisierungen informiert. Das ermöglichte eine zeitnahe “Bekanntmachung” des Updates. Ein nettes Feature, dass leider nicht von den Newssites übernommen wurde. Warum eigentlich nicht? Der “Geschwindigkeit” von RSS-Readern würde es gut tun und Steve Gillmor wäre auch zufrieden.

Twitter hingegen ist eine Applikation, die dazu dient, Kurznachrichten mit einer Länge von maximal 160 Zeichen zu verbreiten. Mit Twitter kann ich Leser einer bestimmten Website über Updates informieren – ähnlich wie mit RSS-Readern, Instant Messaging, eMail, Fax, Telefon, Rauchzeichen etc. Twitter steht also in Konkurrenz zu RSS-Readern und nicht zu RSS.

Das Problem mit RSS ist aber tatsächlich, dass es für die breite Masse eben nicht mehr ist als eine merkwürdige Abkürzung, die nicht im geringsten erahnen lässt, was man mit ihr Sinnvolles machen kann. Und verirrt sich der Mauszeiger doch einmal auf das RSS-Icon, passieren für den Durchschnitts-User merkwürdige Dinge, die im schlimmsten Fall mit einem “Abonnement” enden.

Und das sind auch die Gründe dafür, dass sich RSS-Reader bisher nicht durchgesetzt haben. Es fehlen brauchbare Reader und noch viel mehr clevere Integrationen in Websites, die auch für einen Durchschnitts-User verständlich und benutzbar sind. Man muss aufhören, den Benutzer mit technokratischen Abkürzungen zu konfrontieren. Interessiert wirklich niemanden, wie irgendein Format oder Protokoll heißt, so lange das Tool tut was es soll.

Wenn hier signifikante Verbesserungen umgesetzt werden, haben RSS-Reader eine Zukunft und bleiben kein Nischenprodukt. Ansonsten sind RSS-Reader irgendwann tot (RSS-Reader, nicht RSS).

, , , , ,

Keine Kommentare

Gelinkt: User Engagement vs. Paid Content

Judy Sims wirft in ihrem Blog eine interessante Frage auf:

At a time when news sites need to be focused on user engagement, how does putting your best content behind a pay wall make sense?

Ich weiß gerade keine Antwort.

, ,

Keine Kommentare

Anti-Anti-Atomkraft-Demo powered by RWE

Die Energieversorger haben es im Moment nicht leicht. Ständig wird auf ihnen rumgehackt, nur weil mal das eine oder andere Trafohäuschen abfackelt, meldepflichtige Störfälle ungeschickt unter den Teppich gekehrt werden, Endlager doch nicht so richtig dicht halten und Gutachten manipuliert wurden, eine Großdemonstration in Berlin organisiert wird oder ambitionierte Werbespots als Lüge entlarvt und als verhungerte Flanke im eigenen Tor enden.

Zu allem Überfluss entwickelt sich die ganze Diskussion auch noch zu einem Wahlkampfthema, denn eine Emnid-Umfrage förderte zu Tage, dass etwa 70% der Deutschen der Meinung sind, dass der Kurs von CDU/CSU und FDP diesen Parteien in Hinblick auf die Bundestagswahl schade. Dank des grottenschlechten Krisenmanagements von Vattenfall im Falle des AKWs Krümmel, sorgen sich mittlerweile sogar die Konkurrenten RWE, E.ON und EnBW um ihr ohnehin schon angekratztes Image.

Da muss dringend was passieren, dachten sich da ein paar PR-Strategen bei RWE. Wenn keiner unseren Atomstrom will und keiner für uns auf die Straße geht, dann schicken wir halt unsere Azubis nach Biblis zum demonstrieren. Junge Leute bringen das auch viel glaubhafter rüber als diese alten Säcke von CDU-Wählern, denen man bekanntlich jeden Mist erzählen kann. Wir werden es diesen Atomkraft-Gegnern schon zeigen. Zum Rest des Beitrags »

, , , , , , , , , , , , ,

Keine Kommentare

Ende mit kostenlos!

Es ist der Sommer der Dinosaurier, Lobbyisten und Realitätsverweigerer. Nach der hamburger Erklärung, der Enteignungs-Diskussion um Google und APs Vorstoß in Sachen Bekämpfung der freien Meinungsäußerung eröffnet kein Geringerer als Rupert Murdoch, Chef eines der größten Medienunternehmen der Welt, die nächste Runde: Paid Content

Auch wenn die Realisierung der Pläne extrem unrealistisch anmutet, gewinnt die Diskussion endlich ein wenig an Substanz, was ihr wirklich gut tut. Denn jetzt geht es erstmals (auch) um Journalismus und Qualität – die Inhalte rücken in den Mittelpunkt.

Innerhalb des nächsten Jahres sollen alle Online-Inhalte der News Corporation kostenpflichtig werden, denn Qualitäts-Journalismus muss finanzierbar sein, so Murdoch.

“Quality journalism is not cheap,” said Murdoch. “The digital revolution has opened many new and inexpensive distribution channels but it has not made content free. We intend to charge for all our news websites.” – Guardian

Wenig überraschend, dass auch andere Verleger sich zu Wort melden, um ähnliche Statements zum Besten zu geben. So erklärte Springer-Chef Mathias Döpfner im FAZ-Interview seine Sicht der Dinge.

Die Leser haben über Jahrhunderte bewiesen, dass sie bereit sind, für wirklich attraktive Inhalte Geld zu bezahlen. Qualität, geistige Wertschöpfung haben ihren Preis. Warum soll das in der digitalen Welt plötzlich anders sein?

Nun ja, es könnte natürlich auch sein, dass es weniger die “attraktiven Inhalte” als vielmehr die Distributionskosten waren, die seit Jahrhunderten von Lesern bezahlt wurden. Ganz zu schweigen von den Anzeigen-Einnahmen, die seit jeher den größten Teil des Umsatzes bei den Zeitungen ausgemacht haben. Ich wage zu behaupten, dass Qualität in den letzten Jahrhunderten eine eher untergeordnete Rolle bei der Wertschöpfung gespielt hat. Ausnahmen bestätigen wie immer die Regel. Zum Rest des Beitrags »

, , , , , , , , ,

Keine Kommentare

Zitat des Tages I

Ein Zitat, das mir dieser Tage immer wieder in den Sinn kommt, gehäuft im Zusammenhang mit Dienstwagen und Politikern.

What journalists do, which many bloggers have yet to learn, is to consult multiple sources and do fact checking before blurting out a story. But what bloggers do, which journalists have yet to learn, is to wear their biases on their sleeve, rather than pretending they don’t exist. (Tim O’Reilly)

Qualitäts-Journalismus ist mehr als das Verbreiten von Inhalten über renommierte Content-Distributoren.

, , , , ,

Keine Kommentare

Associated Press vs. Internet II

Ich bin gespannt, wann dieser merkbefreite Vorschlag hier zu Lande seinen Weg in das Sommerloch findet. Wer bisher dachte, dass man sich gar nicht so frei von jeglichem Gespür für Realitäten und Verhältnismäßigkeiten machen kann, sieht spätestens jetzt, dass das durchaus geht.

AP - Fair Use For Sale

AP - Fair Use For Sale

Das Zitieren von sieben Wörtern für die nicht-kommerzielle Nutzung kostet USD 7,50 – die kann man bequem per Kreditkarte bezahlen. Ein echtes Schnäppchen, wenn man bedenkt, dass das bisher kostenlos war und der Vorstoß der AP rechtlich mehr als fraglich ist.

Via: Tim’s Weblog

, , , , ,

Keine Kommentare

Posterous: Von Idioten für Idioten

Ich muss gestehen, dass ich schwer begeistert bin von Posterous. Nicht weil es das tausendste web-2.0-ige Blog-Social-Gedöns-Kommentar-Verlinkungs-Tool auf dem Markt ist, das die Welt definitiv nicht braucht. Das wird mir langsam nicht nur zu redundant, sondern auch zu langweilig. Aber ein paar Dinge wurden “gut gelöst” – um den alten Günter Netzer zu zitieren.

PosterousDie eigene Posterous-Seite wird durch eine e-Mail an post@posterous.com angelegt. Die Mail kann dabei Videos, Bilder oder sonstige Dateien enthalten, aus denen automatisch ein Eintrag auf der persönlichen Seite erzeugt wird. Die URL gibt es per e-Mail innerhalb weniger Sekunden. Wer keine kryptische URL mag, muss sich registrieren und kann diese ändern. Fertig. Ich bin allerdings gespannt, wie gut der Spam-Filter ist, der diesen Posteingang überwacht.

Weit mehr bin ich aber davon begeistert, dass jede e-Mail irgendwie zu sinnvollen Einträgen verarbeitet wird, und man wirklich gar keinen Aufwand dafür betreiben muss – aber kann, wenn man denn will.

Natürlich ist das alles keine Rocket Science, aber dieser Dienst ist technisch mindestens so primitiv wie Twitter oder Delicious. Das alleine kann das Projekt schon nach Vorne bringen.

,

Keine Kommentare

Suchmaschinen-Allianz gegen Google?

Schon Anfang 2008 gab es eine erste (offizielle) Annäherung zwischen Yahoo und Microsoft. Damals wollte Microsoft-CEO Steve Ballmer Yahoo für knapp 45 Milliarden US-Dollar kaufen. Das Vorhaben scheiterte aber bereits im Mai an Yahoos damaligem CEO und Mitbegründer Jerry Yang, laut Medienberichten weil er deutlich mehr Geld verlangte. Auch der anschließende Versuch, nur die Suchtechnologie von Yahoo zu lizensieren, scheiterte.

Damals wurde also nichts aus Ballmers Traum, dem Suchmaschinen-Riesen Google den Kampf anzusagen und sich ein Stück vom Online-Werbekuchen zu sichern. Seitdem hat sich aber Viel getan: Microsoft hat mit Bing eine eigene Suchmaschine entwickelt, und Yahoo hat mit CEO Carol Bartz seit Januar eine neue Chefin bekommen. Und aus dem geplanten Kauf von Yahoo ist jetzt immerhin eine Kooperation geworden, die auf zehn Jahre vereinbart wurde und zu verwirren weiß.

Während Yahoo sich verpflichtet, die Suchtechnologie von Microsoft auf dem eigenen Portal einzubinden und den Anzeigenverkauf für Großkunden zu übernehmen, wird sich Microsoft um die kleinen Kunden kümmern. Dabei kann Microsoft auf die Yahoo-Suchtechnologie im Rahmen eines Lizenzvertrages zugreifen und diese für eigene Produkte verwenden. Dadurch entstehen neben der Vermarktung des Yahoo-Portals weitere Konflikte, die auch die eigenen Instant Messaging Services sowie konkurrierende eMail- und News-Dienste umfassen.

Während Microsoft noch immer sowas von 80er-Jahre ist, hat sich Yahoo in den letzten Jahren sehr aktiv im Umfeld des Semantischen Webs und in der Bereitstellung von offenen APIs für Entwickler unter Einhaltung gängiger Web-Standards verdient gemacht. Doch was wird in Zukunft mit so großartigen Diensten wie BOSS (Build Your Own Search Service), Yahoos Geo Services, Search Monkey, Fire Eagle, Yahoo Maps und all den anderen Yahoo-Projekten, die teilweise auf Yahoos Suche basieren? Wer wird zukünftig in strategisch wichtige Projekte wie Delicious und Flickr investieren, um Yahoo voran zu bringen?

Zum Rest des Beitrags »

, , , , , , ,

Keine Kommentare

NetNewsWire updaten, jetzt!

Neues NetNewsWire-Logo

Neues NetNewsWire-Logo

NewsGator Technologies, der Hersteller der RSS-Reader NetNewsWire (Mac OS X, iPhone) und FeedDemon (Windows) hat klammheimlich neue Beta-Versionen seiner Feedreader bereitgstellt, die sich jetzt mit dem Google Reader synchronisieren. Das erfährt man leider nur, wenn man zufällig den RSS-Feed des Unternehmens-Blogs abonniert hat.

Was da so salopp als nettes neues Feature verkauft wird, hat aber weitreichende Konsequenzen. Ab September wird nämlich der eigene Dienst NewsGator Online, ein web-basierter RSS-Reader, eingestellt. Stattdessen setzt das Unternehmen aus dem US-Bundesstaat Colorado auf Googles RSS-Reader.

Wer also weiterhin die hervorragenden RSS-Reader benutzen möchte und auf eine Synchronisation mit dem dazu gehörigen web-basierten Reader nicht verzichten möchte, sollte sich schleunigst einen Google-Account anlegen und beide Reader miteinander synchronisieren. Wie das geht, steht hier.

, , , , , , , ,

Keine Kommentare