Ich muss zugeben, dass ich mich über die Reaktionen auf die Vodafone-Kampagne Es ist deine Zeit sehr wundere. Und das, obwohl ich mich nicht erst seit gestern im “Mitmachweb” rumtreibe. Mir sind Phänomene wie die verschrobene Selbstwahrnehmung und das Geltungsbedürfnis vieler Blogger und selbsternannter Web 2.0 Idole durchaus vertraut. Und letzten Endes ist auch das Mitmachweb nur ein Spiegel der Gesellschaft, wenn auch ein verzerrter.
Auf eine Person, die etwas probiert und riskiert, kommen 1.000 Gaffer, die nur daneben stehen und auf ihr Scheitern warten, um dann sagen zu können: Das habe ich ja gleich gesagt!

Aber eins vorweg: Der David Bowie Song Heroes wurde für den Spot so übel vergewaltigt, das einem schlicht die Adjektive ausgehen, um dieses Elend zu beschreiben. Das toppen nicht einmal die ahnungslosen Pflegefälle, die von RTL und Bohlen im DSDS-Vorentscheid an den TV-Pranger gestellt und öffentlich hingerichtet werden. Das tut weh, selbst wenn man nur ein wenig auf Bowies Musik steht. Die Kritik ist hier auf jeden Fall gerechtfertigt.
Doch sieht man davon ab, so bleibt aus meiner Sicht ein nichts sagender Spot, der weder richtig gut noch richtig schlecht ist, und der mit ein paar mehr oder weniger bekannten Testimonials geschmückt das Feeling der Generation Upload rüber bringen soll. Also der Leute, die ständig online sind, Dienste wie Twitter, Facebook, Flickr etc. nicht nur passiv nutzen. Und dafür braucht die Generation Upload neben den passenden mobilen Geräten auch eine echte Flatrate. Denen möchte Vodafone gerne etwas verkaufen.
Es ist sicherlich nicht zu weit hergeholt, wenn ich behaupte, dass genau die Leute, die jetzt am lautesten schreien, nicht zur primären Zielgruppe der Kampagne gehören. Denn diese gehören einer elitären Minderheit an und haben schon längst ihr iPhone mit einem unverschämt teuren T-Mobile Tarif und 24-monatiger Laufzeit in der Tasche. Es geht um die breite Masse, die nicht so viel Geld für den Online-Spaß ausgeben will oder kann.
Auch die moralische Entrüstung in Bezug auf Sascha Lobo und Ute Hamelmann kann ich nicht nachvollziehen. Im Fall Lobo ist es etwas weltfremd, zu glauben, dass ein “Werber” nicht für Geld auch Werbung machen würde. Peinlich ist natürlich das kleine Detail, dass Vodafone einer der ersten Provider war, die blind und ahnungslos Ursula von der Leyen aka Zensursula ihre Unterstützung für die Umsetzung der sinnbefreiten Internetzensur zusagten. Da hat Lobo sicherlich auch noch etwas mehr verkauft als nur seine Arbeitskraft, denn da habe ich kritischere und vernünftigere Töne in Erinnerung. Für Ute Hamelmann tut es mir irgendwie leid, denn ich glaube nicht, dass sie sich viel dabei gedacht hat, für ein bisschen Geld ein Handy auf dem Vodafone-Blog zu promoten. Dass sie natürlich die Integration mit Flickr herausstellt, und dort schon länger keine Bilder hochgeladen hat, ist sehr ungeschickt und irgendwie dann auch nicht authentisch. Da hat jemand gepennt oder das Internet nicht begriffen, denn die Transparenz des Mitmachwebs fördert diese Dinge umgehend zu Tage und vergisst nichts, niemals. Wenn eine Kampagne schon so unter Beschuss geraten ist, ist es einfach grob fahrlässig, auf sowas nicht zu achten.
Alles in Allem kann man sich nur wünschen, dass durch die erste Kampagne dieser Art ein Stein ins Rollen gebracht wird. Genug Aufmerksamkeit hat die Kampagne jetzt schon sicher. Wenn sie auch noch Bewegung in den Markt bringt, und ihr vernünftige Tarife folgen, ist die Kampagne auf jeden Fall ein Erfolg. Und dann wird niemand mehr von diesem etwas missglückten Auftritt sprechen.


Aber der missglückte Auftritt war schon sehr missglückt. Trotzdem bin ich absolut der Meinung, dass man die Kirche mal im Dorf lassen muss und Unternehmen wie Blogger vor allem immer aufs Wesentliche reduzieren sollte. Bieten sie gute Deals, interessieren mich die meisten Inhalte usw. An keinem Unternehmen wird einem alles gefallen, genauso wenig, wie ein Blogger nie mal danebengreift. Diese negative Dynamik die da manchmal entsteht ist wirklich beämngstigend.
Oh Gott, wie depressiv muss ein Mensch sein, der so einen Unfug schreibt. Es ist Werbung und es ist ansprechend gemacht. Und es ist in der Tat für Menschen gemacht, die ständig online sind und die verschiedenen Portale nutzen möchten. Menschen die aktiv im Leben sind und Freude daran haben. Besser als ständig Kritik zu üben und das vermeintlich “Schlechte” zu suchen. Menschen die immer etwas zu meckern haben und sicher verdammt einsam sind. Wer gackern will, sollte auch Eier legen können!